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Verstehen in der Psychologie: Mentale Modelle

In der (textuellen) Verstehensforschung werden traditionell zwei gegensätzliche Positionen unterschiedden. Der bottom up-gerichtete, propositionale Ansatz [4] betrachtet Verstehen als einen Prozess, in dem diskrete Einheiten, d.h. Propositionen, zu komplexeren Einheiten verknüpft werden. Das Postulat, das in dieser Konzeption mitschwingt, besteht darin, dass das Prinzip des geringsten Aufwandes (principle of least (collaborative) effort) Anwendung findet. Im Unterschied dazu wird die Auffassung vertreten, dass während des Verstehens vorausgerichtete, holistische Modelle aktiviert werden, die auf neuen Input in Form von Erwartungen angewendet werden (vgl. [5]. Es wird also davon ausgegangen, dass aktiviertes Wissen strak elaboriert ist, etwa Inferenzen, d.h. Schlussfolgerungen im Sinne der Logik, in Form von Erwartungen an die Äußerungen, den Text, herangetragen werden.

Ein Extrembeispiel eines Ansatzes, der von der Aktivierung ganzheitlicher, mentaler Modelle ausgeht, ist die Verarbeitung von Bildern oder Sequenzen (bekannt ist hier z.B. die mentale Rotation). Da sich solche analogen Entitäten (Bilder sind normalerweise analog (daher spricht man auch von der anlogen Forografie)) grundsätzlich in digitale Äquivalente überführbar sind (wie aus der Digitalfotografie bekannt), ist bis heute nicht ganz abschließend geklärt, in welcher Form mentale Repräsentate vorliegen. Derzeit liegen jedoch verstärkt Argumente vor, die im Falle der Textrezeption für eine grundsätzliche propositionale Form sprechen, auch wenn die Integration des Konzeptes der mentalen Modelle zeigt, dass eine Annäherung beider Konzeptionen statfindet.

 

[4] P. N. Johnson-Laird. Mental Models: Towards a Cognitive Science of Language, Inference, and Consciousness - 1983.

[5] W. Kintsch. Comprehension. A Paradigm for Cognition - 1998.