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Kognitionswissenschaft

Was ist Kognitionswissenschaft, was sind Kognitionen?

Die Kognitionswissenschaft ist diejenige Wissenschaft, die Kognitionen (von lat. cognoscere (erkennen, wahrnehmen, wissen)) untersucht, d.h. bestimmte Prozesse der Informationsverarbeitung. Im Fokus der kognitionswissenschaftlichen Aufmerksamkeit steht der Mensch, dessen kognitive Fähigkeiten im Vergleich zu sämtlichen uns bekannten Lebensformen einzigartig sind; wie sich jedoch beispielsweise bei Ratten zeigen lässt, sind sie in der Lage, aus Erfahrung zu lernen (vgl. Tolman [6]). Unstreitig ist, dass die Existenz einer Art Gedächtnis grundlegend dafür ist, Kognitionen durchführen zu können. Doch bedeutet dies einerseits, dass etwa Fliegen zu Kognitionen fähig sind, und andererseits, dass etwa sämtliche Gedächtnisaktionen mit kognitiver Informationsverarbeitung gleichzusetzen sind? Je nach Versuch einer Abgrenzung kognitiver Prozesse von nicht-kognitiver Informationsverarbeitung sind ganz unterschiedliche Lebewesen zu einer kognitiven Verarbeitung von Informationen fähig; zumeist wird kognitiven Systemen die Fähigkeit zugeschrieben, sich ihrer Umgebung anpassen zu können. Da dies allerdings auch starre Reiz-Reaktionskopplungen zulässt (etwa bei der Wärmeregelung Ihres Notebooks, aber auch bei einfachen biologischen Organismen), sollte der Bereich des Kognitiven (mindestens) auf solche Informationsverarbeitung eingeschränkt werden, die zu einer Modifikation der Anpassung an die Umwelt führt, also flexible Reiz-Reaktionskopplungen beinhaltet.

Kognition und Emotion:

Kognitionen operieren auf mentalen Repräsentationen (vgl. [7]), und führen zu ihrer Veränderung. Eine weitere Voraussetzung, neben der Existenz einer Art Gedächtnis und der Fähigkeit zur Reizaufnahme und Weiterverarbeitung, scheint in unseren Emotionen zu liegen (die traditionell eher von den Kognitionen abgegrenzt werden). Das Verhältnis zwischen Kognition und Emotion wird zumeist ausschließlich negativ gesehen (etwa bei Depressionen oder Angststörungen); gegenwärtig zeichnet sich in den Kognitionswissenschaften jedoch ein Wandel dahingehend ab, die positiven Effekte von Emotionen auf kognitive Phänomene (und umgekehrt) zu betonen.

Interdisziplinäre Kognitionswissenschaft:

Die Kognitionswissenschaft ist in einem Spannungsfeld zwischen Psychologie, Linguistik, Neurowissenschaft, Philosophie und Informatik zu verorten (streng genommen müsste man von den Kognitionswissenschaften sprechen, weniger von DER Kognitionswissenschaft). Forschungsbereiche, wie etwa das Exzellenzcluster Cognitive Interaction Technology in Bielefeld, zeigen, dass sich Kognitionen ausschließlich interdisziplinär untersuchen lassen. Die Art und Weise, wie diese unterschiedlichen Perspektiven konzeptionell miteinander verknüpft werden können, hängt letztlich mit der Hypothese, dem Lösungsversuch des Geist-Seele-Problems zusammen. Eine funktionalistische Beschreibung mentaler Vorgänge beispielsweise kommt streng genommen auch ohne fundierte Kenntnisse über das Gehirn aus. Die Künstliche Intelligenz hat zahlreiche Einzeldisziplinen innerhalb der Kognitionswissenschaften beeinflusst, Computermodelle werden heute in der Neurowissenschaft, Linguistik und Psychologie verwendet.

[6] E. C. Tolman. Cognitive Maps in Rats and Men - In Psychological Review, Vol. 55 pages 189-208 1948.

[7] G. Strube. Wörterbuch der Kognitionswissenschaft. Stichwort: Kognition - 2001.