Anapher
Sie liegt vor, wenn sich ein Ausdruck (häufig ein Pronomen) auf einen im Text vorangegangenen Ausdruck bezieht (im Unterschied zur Katapher).
Arbeitsgedächtnis
(häufig auch Arbeitsspeicher genannt) Das Arbeitsgedächtnis ist Teil des (menschlichen) Gedächtnis und zeichnet sich durch eine begrenzte Kapazität aus. Nach Miller (1956) sind es sieben (plus/minus zwei) Einheiten, sog. Chunks, die ein Mensch in der Lage ist ad hoc zu speichern. Cowan (2005) hingegen spricht von vier (plus/minus zwei) separaten Gedächtniseinheiten, zumindest dann, wenn zusätzliche mentale Prozesse (beim Chunking) durchgeführt werden müssen. Die Kapazität des Langzeitgedächtnis ist im Unterschied zum mentalen Arbeitsspeicher praktisch unendlich groß (s. Langzeitgedächtnis, aber auch sensorisches Register).
Bedeutung
Der Bedeutungsbegriff wird in den Kognitionswissenschaften nicht einheitlich verwendet: Für Frege sind Bedeutungen reale Objekte (d.h. extensionale Bedeutungen), in der Psycholinguistik oder Kognitiven Psychologie werden sie in einen Zusammenhang zum mentalen Lexikon gesetzt. Grice hingegen unterscheidet zwischen natürlicher und nicht-natürlicher Bedeutung; erstere entspricht in etwa der Frege'schen Bedeutung, letztere ist die Basis des Grice'schen Kommunikationsmodells (s. Implikatur).
Bedeutungspotential
Hierunter versteht man das Potential eines Ausdruckes, Wissen zu vermitteln. Das Bedeutungspotential wird häufig mit Bedeutung gleichgesetzt. Im Unterschied zu diesem Potential führt die kontext-sensitive Verwendung eines Ausdruckes zu dessen Sinn (d.h. auf was er sich tatsächlich innerhalb einer Äußerung oder eines Textes tatsächlich bezieht). (vgl. De Beaugrande und Dressler, 1981)
Common Ground
Kommunikation funktioniert ausschließlich dann, wenn die Gesprächspartner einen ähnlichen Wissenshintergrund, d.h. eine geeignete Wissens- oder Kommunikationsbasis haben. Diese Basis, der Common Ground, kann während des Gesprächs durch die beteiligten Personen (oder durch eine davon) koordiniert werden (zumeist eher implizit), oder durch eine explizite Situationsdefiniton (d.h. wenn die Informationsasymmetrie zu groß ist) erfolgen. (vgl. Clark, 1996)
Homonym
Homonyme sind Worter, deren unterschiedliche Bedeutungen nicht zusammenhängen. Das Wort "Bank" beispielsweise meint zum einen ein Geldinstitut, zum anderen eine Sitzgelegenheit. Die Schnittmenge der gemeinsamen semantischen Merkmale sollte daher leer sein, da ja ansonsten ein Zusammehang zu bestehen scheint. Eine andere, sicherlich geeignetere Methode, ein Lexem als homonym bezeichnen zu können, besteht in der etymologischen Untersuchung der fraglichen Ausdrücke. Homonyme sind letztlich unterschiedliche Wörter mit gleicher Schreibweise oder Aussprache. (vgl. Polysemie)
HPSG
(Head-driven Phrase Structure Grammar) In der HPSG werden Phrasen durch ihre Köpfe (Heads) gesteuert (eine Nominalphrase etwa durch das Nomen). Beschrieben werden die grammatischen Kategorien durch Attribut-Wert-Matrizen, die sowohl atomare als auch komplexe Werte (d.h. wiederum Matrizen) enthalten können. Die HPSG kommt mit nur wenigen grammatischen Regeln (etwa der Head-Specifier-Rule) aus, da viele Informationen in den Lexikoneinträgen stecken. Die HPSG ist eine kontext-freie Grammatik gemäß der Chomsky-Hierarchie. (vgl. Sag et al, 2003)
Inferenz
Inferenzen werden häufig als Schlussfolgerungen im Sinne der Logik behandelt. Das bedeutet, dass sie prinzipiell wahrheitsfunktional beschrieben werden können, aber nicht zwangsläufig, dass natürliche Sprachbenutzer tatsächlich derart zu Konklusionen (Schlussfolgerungen) gelangen. Bei Johnson-Laird (1983) werden Inferenzen in einen Zusammenhang mit mentalen Modellen gesetzt, der ohne eine wahrheitsfunktionale Beschreibung auskommt. (s. mentale Modelle); eine mentale Logik ist diesem Ansatz zufolge etwa dem Problem ausgesetzt, dass hierdurch falsche Konsequenzen generiert werden können.
Katapher
Im Unterschied zur Anapher besteht bei einer Katapher eine Beziehung, in der sich eine Proform (d.h. ein Platzhalter, meist ein Pronomen) auf einen Ausdruck bezieht, der im Text nachfolgend auftritt.
Kohärenz
Kontextabhängige Beziehungen in Texten, die zumeist auf Basis kohäsiver Relationen hergestellt werden. Die Kohärenz (d.h. die sinnvolle Verknüpfung des Textinhaltes) hängt u.a. von dem Vorwissen des Rezipienten ab. (vgl. de Beaugrande und Dressler, 1981)
Kohärenzlücke
(auch Unbestimmtheitsstelle genannt) Texte halten naturgemäß nicht sämtliche Informationen parat, um ihre Kohärenz zu ermöglichen. Die Kohärenzbildung erfordert zusätzliche Informationen, die aus dem Habitus des Lesers stammen; diese Notwendigkeit kann an unterschiedlichen Stellen signalisiert werden. Unter diesem Aspekt lassen sich Kohärenzlücken als Inferenzsignale begreifen.
Kohäsion
Strukturelle Beziehungen in Texten, die ein textuelles Beziehungspotential ausdrücken. Zu diesen Relationen können Kohärenzbeziehungen gehören, aber auch andere Beziehungen, welche den Prozess der Kohärenzstiftung mitunter erschweren können. Zu den Kohärenzrelationen zählen Synonymien, Antonymien, aber auch Hyperonymien und weitere Zusammenhänge. Kohäsive Beziehungen erfordern i.d.R. den Einbezug des leserseitigen Vorwissens, um als solche erkannt zu werden. (vgl. zu Kohäsion auch Mehler, 2001)
Mentale Modelle
Mentale Modelle teilen mit anderen Modellen zahlreiche Eigenschaften; beispielsweise sind sie reduzierte Abbildungen der Realität. Dadurch, dass sie jedoch im Gedächtnis (des Menschen) entstehen, besitzen sie zusätzliche Eigenschaften. So weisen sie neben einer einzigartigen Struktur eine besondere Dynamik auf, da sie situativ, aber auch langfristig, verändert werden können.
Modelle
Modelle sind reduzierte Abbildungen der Realität.
Natural Language Processing (NLP)
Natural Language Proccesing (NLP) steht für eine computerwissenschaftliche Disziplin, die sich mit einer möglichen Annäherung künstlicher Systeme an die natürliche Sprachverarbeitung beschäftigt (eine direkte Übersetzung ist gefährlich, da der Bezug zur Computerlinguistik somit verloren geht). Im Wesentlichen setzt man beim Natural Language Processing auf statistische Verfahren (wie man dem wohl bekanntesten Werk von Christopher D. Manning,
Hinrich Schütze: Foundations of Statistical Natural Language Processing entnehmen kann). Ein Aspekt, der in den heutigen Kognitionswissenschaften, immer wichtiger wird, besteht in der Optimierung der Interaktion zwischen Menschn und Maschine. Das Natural Language Processing teilt viele seiner Methoden mit dem Text Mining
Natürliche Bedeutung
(nach Grice) Diejenige Bedeutung, die unabhängig von einem Zeichen (etwa einem Wort) gültig ist und nicht per Konvention festgelegt werden kann (es kann bspw. nicht beschlossen werden, dass jemand Masern hat).
Nicht-natürliche Bedeutung
(nach Grice) Sie beruht i.d.R. auf Konventionen, die innerhalb einer Gemeinschaft oder Gruppe gültig sind, kann aber auch in Abhängigkeit zur Situation entstehen (z.B. bei Ironie). Als nicht-konventionelle, zugleich aber nicht-natürliche Bedeutungen kann man im Rahmen des Grice'schen Kommunikationsmodells die konversationellen Implikaturen bezeichnen (s. Implikatur)
Phrase
Hierunter versteht man eine grammatische Einheit mit einem Hauptelement (etwa eine Nominalphrase (NP), Verbalphrase (VP) oder ein Satz (S)). Beispielsweise ist "Mann" der Kopf der NP "der Mann", der durch den Artikel spezifiziert wird (daher spricht man auch vom Specifier). Die regelgeleitete Verknüpfung von Phrasen wird in Phrasenstrukturgrammatiken behandelt (ein sehr mächtiger Formalismus stellt die HPSG dar, siehe aber auch GPSG).
Polysemie
Polyseme setzen eine metonymische Verschiebung voraus, d.h. eine Verlagerung der Bedeutung auf bestimmte semantische Merkmale. Etablieren sich die auf diese Weise hervorgehenden Bedeutungen (oder Bedeutungsvariationen) nebeneinander, entstehen Polyseme. Diese Wörte sind (streng genommen anders als Homonyne) ambig (mehrdeutig).
Präsupposition
Eine implizite Sinnvoraussetzung, die vom Sprecher als Common Ground angenommen wird.
Referenz
Referenzen sind Objekte, auf die andere Objekte verweisen. In Texten beziehen sich Ausdrücke (etwa Wörter) entweder auf andere sprachliche Einheiten oder auf Objekte in der Außenwelt (etwa das Wort "Morgenstern" auf die Venus).
Rekurrenz
Die einfache Wiederholung von Textelementen. Im Falle eines Wortklassenwechsels spricht man von partieller Rekurrenz.
Sinn
Im Unterschied zur Bedeutung resultiert der Sinn eines Textes aus einer kohärenten Verknüpfung textueller Einheiten, zumeist auf Basis seiner Kohäsion.
Textualität
(Textsein, Texthaftigkeit) Bezieht sich auf diejenigen Faktoren, die bestimmen, ob eine Wortsammlung als Text zu bezeichnen ist. De Beaugrande und Dressler (1981) nennen sieben Kriterien der Textualität: Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität.
Unbestimmheitsstelle
(s. auch Kohärenzlücke) In der Hermeneutik Isers (1976) steuern Unbestimmtheitstellen den Interaktionsprozess (d.h. die Annäherung) zwischen Text und Leser. Eine Variante liegt hier mit der Negation vor, welche es erfordert, dass Leserdispositionen negiert und umstrukturiert werden.