Sie befinden sich hier: Indie Rock / Konzertkritiken / Devision

25.090.2007 im Stereo (Bielefeld)
Deutscher Synthie-Pop in der Endlosschleife
De/Vision bietet im Bielefelder Stereo wenig Neues
Die deutschen Elektro-Veteranen sind dafür bekannt, mit kraftvollen Live-Shows zu überzeugen, indem sie ihre kühlen Elektro-Sounds in ein kräftiges Rock-Kostüm kleiden. Doch die sowohl sinkenden Besucherzahlen als auch ein musikalisches Auf-der-Stelle-Treten verraten, dass sich De/Vision offenbar in einer Sackgasse befindet.
Mit „Monosex“ oder „Void“ hat die Band Ende der 1990er Jahre womöglich ihre besten Platten produziert. Großartige Pop-Klänge stritten mit experimentellen, teils sperrigen Sounds. De/Vision war auf dem Sprung, die Messlatte für deutschen Elektro-Pop ein gutes Stück nach oben zu hängen. Von dieser Energie, die in dieser Schaffensphase zu beobachten war, konnte man sich an diesem Abend im Stereo nur noch in Ansätzen überzeugen. Hier war überdeutlich zu hören, dass sich De/Vision in einer Endlosschleife befindet, die Auftritte wie ein warmer Aufguss bereits absolvierter Gastspiele wirken.
Obwohl De/Vision künstlerisch in den letzten Jahren stagnierte, positiv formuliert, zurück zu den Wurzeln ging, wirkte die Band frisch und gut aufgelegt. Die Umsetzung der Stücke, darunter „What it feels like“ oder „God is blind“, viel deutlich behutsamer, bedachter und in sich stimmiger als zuletzt aus. Die gelungene visuelle Umsetzung sorgte in Verbindung mit Steffens nach wie vor unnachahmlichen, ebenso kraftvollen wie warmen Stimme dafür, dass der Auftritt der Band von einer erneuerten Harmonie zeugte, die sich wie der rote Faden durch den Abend zog.
Leider hätte man diesem Fluss, dem Dahinplätschern der musikalischen Darbietung nur allzu gerne etwas Sand ins Getriebe geworfen. Ein Greatest Hits-Paket, bestehend aus Stücken wie „Blue Moon“, „We fly…tonight“, „Foreigner“, hätte dem Auftritt nur zu gut getan. Doch es galt, ein neues Album vorzustellen, das, bis auf wenige Ausnahmen, wie aus einem langatmigen Guss klang. Das knapp hundert Mann starke Publikum wippte artig mit den Füßen, ließ sich jedoch erst bei einem Klassiker wie „Try to forget“ zu einigen verhuschten Begeisterungsstürmen hinreißen, die in intensiven Chor-Gesängen mündeten. Im Falle besserer Rahmenbedingungen, etwa einer deutlich höheren Zuhörerdichte, hätte dieser Moment dem Abend möglicherweise das erste Gänsehaut-Gefühl beschert.
Der Band ist es nur zu wünschen, dass sie nochmals alte Heldentaten auf einer neuen Platte konservieren kann, um damit auf Tournee zu gehen. Als eines der Aushängeschilder synthetischer Pop-Musik hat sie immer noch die Energie und Leidenschaft, all ihre Qualitäten auf die Bühne zu bringen. Das Kunststück, dies nicht nur mit ihren, an diesem Abend spärlich eingesetzten Klassikern zu vollbringen, muss die Band jedoch erst wieder vollbringen. Diesmal jedoch endete ein Konzert von De/Vision zwar mit obligatorischer Zugabe, aber ohne den Charme vielleicht vergangener Zeiten.